petze
Januar 5, 2009 at 1:35 | In Alltag, Erlebnisse | 8 Commentskann sein, dass ich über einen meiner lieblingsmotzergäste schon mal geschrieben habe. er ist ein klassisches beispiel dafür, dass man immer was findet, wenn man nur intensiv genug sucht. er sucht ständig.
er ist frauenar.zt in wien und mit einer (achtung wie praktisch!) psycholo.gin liiert. wann immer er da ist, vergehen keine drei stunden, in denen er nicht irgendein ganz schlimmes problem hat.
heute früh erzählt er mir, dass er kaum schlafen konnte, weil da so ein komisches geräusch war. der kühlschrank wäre es nicht gewesen. den hat er noch in der nacht “ruhig gestellt”. er will gleich in ein anderes zimmer umziehen. es wären doch heute eh so viele schon abgereist, und es müßte doch wirklich genug frei sein. ich erkläre ihm, dass die zwei abreisen in seiner etage die einzigen heute sind und diese zimmer erstens kleiner und zweiten schon wieder vermietet sind. er rauscht beleidigt ab.
einige minuten vergehen und die für ihn zuständige, weibliche etagenfachkraft stürmt in mein büro. er hätte oben im stock die abreisenden gäste überrumpelt und wollte deren zimmer besichtigen. außerdem hat er andere gäste wahllos angesprochen, ob sie nicht heute schon abfahren würden. ob ihr zimmer “leise” sei und überhaupt. (das muß schon gewesen sein, bevor er bei mir vorgesprochen hatte, weil von mir aus ging er direkt zum frühstück.)
wie er vom frühstück wieder zurück kommt, spreche ich ihn drauf an, dass er wohl nicht wildfremde menschen dazu überreden kann, abzureisen und in solchen fällen doch bitte ausschließlich die rezeption seine anlaufstelle sein kann. er sagt, er habe “eh ganz höflich gefragt.” *vogelzeig* und ich merke, dass er sich irgendwie ertappt fühlt und zahm wird.
wieder nur wenige minuten vergehen, und die oben erwähnte etagenfachkraft steht wieder bei mir im büro und erzählt mir, dass er sie grad geschimpft hätte, weil sie bei mir petzen war. der mensch ist ende fünfzig und benimmt sich wie ein kleines kind. mein oberkellner meint, so wird man, wenn man den frauen zu lange und zu oft zwischen die beine schaut
[und jetzt zu lisa, die gerade in einem kommentar meinte, dass ich das eh so locker und mit spass ertrage und cool bleibe. der schein trügt. natürlich reg ich mich ganz oft, ganz schlimm auf, wenn ungerechtigkeiten passieren und auch manchmal bei fehlern (meinen und denen der anderen). ich bin bei weitem nicht so abgehoben, wie es vielleicht wirken mag. wenn ich über was schreiben kann, dann versuche ich es von der "humorigen" seite zu sehen. fast jede tragik hat auch was komisches. wenn es nicht so wäre, dann wäre ich hier schon längst verzweifelt. ]
die heutige episode war zuerst eher was zum ärgern. schließlich hatter er schon wieder einen grund zur reklamation gefunden. inzwischen lachen wir uns alle scheckig…
8 Kommentare »
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Das finde ich aber sehr nett, dass ich jetzt schon Antworten innerhalb eines Beitrags bekomme.
Kommentar von Lisa — Januar 5, 2009 #
Ich schüttel nur noch mit dem Kopf.
Das komische Geräusch war wahrscheinlich seine Frau.
Kommentar von wortteufel — Januar 5, 2009 #
…mmmmhmmm das erste, was mir einfällt ist “typisch Wiener”
Kommentar von Pampersfront — Januar 5, 2009 #
… tja auch unter Ärzten gibt es viele nette Menschen und eben einige Andere. Bloss werden die (leider!) höchstselten von ihrer Umgebung auf den Teppich zurückgeholt und dann reagieren sie eben wie “kleiner-Prinz-hat-sein-Spielzeug-nicht-bekommen”…- aber das ist sicher nur ein subjektiver Eindruck
Nicht ärgern lassen – irgendwann sind sie weg.
Kommentar von hostmam — Januar 5, 2009 #
Also – wenn er sich aufführt wie ein kleines Kind, solltest Du ihn vielleicht auch bestrafen wie ein kleines Kind – was macht Supernanny immer – die stille Treppe???
Schön, dass Du Deinen Humor trotz allem Stress noch nicht eingebüsst hast.
Drück Dich!!!
Kommentar von Moritz Mama — Januar 7, 2009 #
wenn du jetzt nicht explizit darauf hingewiesen hättest, daß es sich um einen wiener männlichen und arzt handelt, hätte ich auf meine schwiegermutter getippt. vielleicht schicke ich die mal bei dir vorbei, denn du scheinst eine engelsgeduld mit solchen leuten zu haben…
Kommentar von Susan — Januar 8, 2009 #
so gut bin ich leider nicht im ertragen mancher menschen und ihrer macken. gerade kam ein beschwerdemail über mich, weil ich mich verbal gewehrt habe, mir nicht alles gefallen lasse und eben auch manchmal die nerven blank liegen habe…
der tag kann nur besser werden.
Kommentar von stilke — Januar 8, 2009 #
Was für ein Glück, dass er mit einer Psychologin liiert ist. Ohne diese Kontrolle wäre es womöglich noch schlimmer *schauder* Obwohl, manche Psychologen haben ja auch Macken, bei denen man erbleicht.
Kommentar von weltdeswissens — Januar 9, 2009 #