frechheit!

November 27, 2007 at 6:37 | In Aufreger, Begegnungen, Erlebnisse, nicht witzig, privat | 20 Comments

was mir im deutschen konsulat in wien passiert ist, ist schier unglaublich. normalerweise bin ich ein mensch, der nach dem “waldprinzip” mit anderen kommuniziert. ich mag das nicht, wenn man leute, die eine dienstleistung (oder irgendeine art von service) verrichten, dumm behandelt. mein motto: mit freundlichkeit kommt man einfach weiter.

im grunde ist das auch eine art, meinen gerechtigkeitssinn auszuleben. [da fallen mir spontan die stammgast-schnepfen ein, die am telefon super arrogant mit einem verfahren und dann am ende, wenn sie fragen, wer denn dran war, plötzlich scheiß freundlich sind- aber ich schweife ab]

also: als meine nummer an der anzeigentafel aufscheint gehe ich freundlich grüßend an den schalter mit der nummer 2. eine (nennen wir sie halt so) dame schaut mich angenervt an und grüßt nicht.

sie: “was wolln sie?”

ich (schon etwas kleinlaut): “einen neuen reisepass beantragen, bitte.”

sie verdreht die augen. eigentlich ist das leicht überbrieben, sie könnte mit der augenlooping-nummer eigentlich im zirkus auftreten und sie sagt: “geben´s her.”

ich werde leicht nervös und fange an, in meinen vorbereiteten dokumenten rumzufingern. sogar die passbilder hatte ich in zwei verschiedenen varianten dabei, damit ja alles passt. sie sucht in den papieren rum, vermisst die bilder und schnauzt mich dann an: “heiratsurkunde!” ich werde total nervös, weil ich auf der homepage zwar was von heiratsurkunde gelesen habe, aber diese nur im zusammenhang mit einer namensänderung verlangt wird. zumindest habe ich das so gelesen. aber seht selbst! sie ist unerbittlich und hat in der zwischenzeit geschätzte 5 mal ihr kunststück mit den augäpfeln aufgeführt.

irgendwann zwischen der 4ten patzigen äußerung der dame und der 5ten habe ich sie dann gebeten, mich nicht so zu behandeln. in meiner kranken phantasie meinem kopf sind verständlicherweise einige filme abgelaufen: von amoklauf bis nervenzusammenbruch war alles dabei. auf meine frage, ob ich die eheurkunde nachreichen könnte, kam dann – na was wohl? und die dame schleuderte mir meine unterlagen wieder retour.

[zum weiteren, besseren verständnis: an diesem tag war schon einiges vorgefallen und ich emotional "angeknackst"]

mein mann, der vor der botschaft wartete, konnte nicht glauben, was ich ihm da erzählte und bestand darauf, mit hinein zu gehen. ich war in tränen aufgelöst und er wollte die dame verprügeln körperlich züchtigen er wollte mit der dame ein ernstes wort reden.

also wieder leibesvisitation, neue nummer ziehen. hinsetzen. warten. irgendwann war dann der schalter nummer 1 frei. dort saß eine wirkliche (auch schon ältere) dame und lächelte mich an. so faßte ich neuen mut und ging (ohne aufgerufen worden zu sein) zu ihr hin und fragte, ob sie mir bitte eine auskunft geben könnte. ich schilderte ihr meine lage und sie schüttelte fassungslos den kopf. ob mir die kollegin nicht gesagt hätte, dass ich das auch nachreichen könnte. und wie sie da so nett zu mir war, bin ich wieder in tränen ausgebrochen. [siehe oben] sie fragte mich, wo ich meinen letzten pass ausgestellt bekommen habe und verschwand dann nur kurz. ich durfte wieder platz nehmen und die dame von schalter 2 würde mich gleich namentlich aufrufen…

was sie dann auch tat. ohne augenverdreher (unglaublich!) wurde mein antrag in kürzester zeit abgehandelt. sie hatten in der zwischenzeit meine ganze akte (samt aller urkunden für die namensänderung von vor 11 jahren) gefunden. beim rausgehen habe ich der dame von schalter 1 nocheinmal D A N K E gesagt!

mein mann meint nun, ich solle mich irgendwo – an höherer stelle – beschweren. derweil seid ihr meine höhere stelle. danke!

falls irgendwer von euch das dringende bedürfnis hat, sich irgendwo schikanieren lassen zu müssen, und dafür nicht extra in die usa einreisen will (auch wenn die das zugegeben auch ganz gut hin bekommen). in wahrheit seid ihr in der reissnerstrasse im 3ten bezirk genau richtig!

20 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

  1. Ich überleg schon die ganze Zeit, ob ich jemand im Aussenministerium kenne ;-) kann aber leider nur “Connections” ins Bundespresseamt aufweisen, das hilft da wohl nicht weiter.

    Ein netter Brief oder eine nette Email an den Herrn Botschafter bzw. denjenigen der für die netten Konsularbediensteten zuständig ist, sollte aber schon drin sein und sei es nur zur persönlichen Erleichterung

  2. Wie gemein.. Kopf hoch, jetzt ist es überstanden!!

  3. Ich könnte das große K*** kriegen, wenn ich so Sachen höre/lese. Einfach nur eine Frechheit, welche Manieren einige Menschen an den Tag legen! *Stilkedrück*

  4. ich find das auch nicht nett, vorallem, wenn man schon mal angeknackst ist-stimmungstechnisch. aber vielleicht war sie das auch? hab nachsicht und vergess das einfach, jetzt hast du alles und musst so schnell nicht wieder hin.

  5. danke, ihr lieben!

    @moritzpapa: wer sagt denn, dass die presse nicht auch helfen könnte :mrgreen:

    @alle: seh ich das also nicht zu naiv.
    das gemeine ist ja, dass ich extra die reise und das alles “auf mich nehme”, um diese doofe staatsbürgerschaft zu behalten (obwohl ich daraus nüchtern betrachtet mehr nachteile als vorteile habe) und dann auch noch wie der letzte illegale behandelt werde… nach dem ersten anlauf wollte ich eigentlich direkt die österreichische staatsbürgerschaft beantragen… so enttäuscht/frustriert/verärgert war ich.

  6. @ami: du hast ja recht. aber im ersten moment regt mich das schon gewaltig auf. ich bin die letzte, die nicht auch die andere seite “durchleuchtet”. darum habe ich sie ja gebeten, mich anders zu behandeln. sonst hätte ich ja auch einen auf “arschloch” machen können…

  7. Wie anders scheint da das österreichische Konsulat hier in Frankfurt zu sein, die immer noch ein Schwätzchen (inklusive EInkaufstipps) mit den Österreichern in Exil halten – bevor sie anstandslos den Pass verlängern.

    Mir fällt als Lösung bei solchen Erlebnissen auch immer nur die “Falling down”-Methode ein. Die ist aber effektiv (nur leider nicht so zu empfehlen, da die Haftstrafe im Anschluss so nervig lang ist…).

  8. Unglaublich! Aber dem Tipp von Moritz Papa kann ich mich nur anschliessen, da würd ich auch ein nettes Briefchen verfassen.

    *drückerschick*

  9. Oh je, mir graut schon davor, wenn ich das erste Mal nach Bern muss zum Pass verlängern….

  10. nochmal danke für eure drücker! tut gut!

    liebes brüllen: vielleicht sind die dort ja ganz freundlich! (es waren übrigens lauter österreicher dort beschäftigt. von der security bis zum schalter) :-)

  11. Ich weiß, es ist kein Trost – aber die bulgarische Botschaft in Wien ist noch um Ecken schlimmer. Dank denen hat meine Tochter 3 Familiennamen *g* und das war nur der Anfang.

  12. Wie gemein!!!
    Ich versteh Dich voll und ganz!
    Mich würde das auch gewaltig aufregen… und zwar tagelang.
    Ich versuch dann zwar immer mir zu sagen, dass es so eine Person gar nicht Wert ist, dass man ihretwegen so viel Kraft und Nerven und Zeit zum Ärgern “opfert” … aber abzuschalten und das schnell zu vergessen schaff ich eigentlich nie.
    Schön, wie Dein Mann reagiert hat!!! Schade, dass er nicht dazu kam der “Dame” mal die Leviten zu lesen.
    Ich finde den Tipp von Moritz Papa auch sehr ansprechend ;-)

  13. Ich würde sagen, da kann nur noch ein kleines Schnäpschen zum Nachspülen helfen und dann nach einmal schlafen eine “Lobesode” an die nette Mitarbeiterin von Schalter 2 an deren Vorgesetzte schicken mit dem Vorschlag sie zur blödesten Kuh des Monats in ihrer Abteilung zu küren. Kopf hoch! ;-)

  14. liebe moritz-mama (ich muß immer so aufpassen, dass ich euch nicht verwechsel ;-) ) oder besser gleich nach dem saftln schreiben. unverfälscht. echt. inspiriert… 8)

  15. Ohja, solche Damen und sicherlich auch Herren gibt es leider viel zu viele, die machen wohl ihren Job schon zu lange.

    Ich würde einen ganz netten Brief schreiben und die Dame von Schalter 1 zur Mitarbeiterin des Monats ernennen ;-)

  16. du bist übrigens nicht allein mit pass-problemen – der christian in wien hat sich da auch einiges mitgemacht:

    http://www.christian-in-wien.at/index.php?/archives/636-Reisepass-fuer-im-Ausland-lebende-Deutsche.html

  17. Sauerei!

    Nach meinen Erfahrungen kommen Dienstaufsichtsbeschwerden recht gut. Selbstverständlich stellen sich die Vorgesetzten vor ihre Mitarbeiter (ist halt ihr Job) und Du kriegst ein Schreiben von wegen “geprüft, aber nicht nachvollziehbar” o.ä., aber der betroffene Mitarbeiter kriegt einen auf den Deckel und wird Dir beim nächsten Mal sicher höflicher entgegentreten, auch wenn er innerlich brodelt. Du darfst Dir dann nur keine Fehler erlauben, dann hat er den inneren Reichsparteitag!

    Ich hab’ das schon mehrmals mit dem Finanzamt gemacht(hab’ da schon mehrere rote Reiter auf meiner Akte :-) ): Die Erstattungen kamen deutlich schneller, nur wenn was fehlt, muß ich mir ziemlich überhebliche Texte durchlesen, aber das sehe ich sportlich, weil ich ja weiß, dass ich ihn angep**t habe und er freundlich bleiben muß! :-)

  18. Du warst in Wien?
    (Ich sollte wieder öfter ins Netz schauen…)

  19. Ja die probleme kenn ich aus erster hand, das muss man live erlebt haben um es zu glauben.

    das haus das verrückte macht in dem asterix film ist fast nichts dagegen.

  20. Jaja. Kenn ich. Geh mal in München aufs sog. “Kreisverwaltungsreferat”. Echt zum K***. Aber ich kenne generell KEINE freundlichen Ämter – ehrlich! Ist mir noch nicht untergekommen. Ich geh immer vom schlimmsten aus (so wie deine Schilderung) und werde nur sehr selten enttäuscht..


Einen Kommentar schreiben

XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bloggen Sie auf WordPress.com. | Theme: Pool by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds.